Get Adobe Flash player
Start Spielsucht als Krankheit

Pathologisches Glücksspiel oder Glücksspielsucht wird diagnostiziert, wenn zumindest fünf der zehn im DSM-IV angeführten Kriterien erfüllt ist:

1.

Häufige Beschäftigung mit dem Glücksspiel (z.B. Beschäftigung mit früheren Glücksspielerlebnissen oder Überlegungen, wie das Geld für das Glücksspiel zu beschaffen ist);

2.

Bedürfnisse zum Glücksspiel mit steigenden Einsätzen, um die gewünschte Erregung zu erreichen;

3.

Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspiel zu kontrollieren, einzuschränken oder ganz damit aufzuhören;

4.

Ruhelosigkeit oder Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspiel einzuschränken oder aufzugeben.

5.

Teilnahme am Glücksspiel, um Problemen zu entfliehen oder dysphorische Stimmungen abzubauen (z.B. Gefühle von Hilflosigkeit, Scham- und Schuldgefühle, Neid, Sorgen, Ängste, Depressionen);

6.

Wiederholte Geldverluste beim Glücksspiel und Rückkehr am anderen Tag, um die Verluste wieder wettzumachen (die "Jagd" nach dem Verlustausgleich);

7.

Belügen von Familienmitgliedern, Therapeuten und anderen, um das Ausmaß der Beteiligung am Glücksspiel zu verheimlichen;

8.

Begehen illegaler Handlungen wie Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung, um das Glücksspiel zu finanzieren;

9.

Gefährdung oder Verlust einer bedeutsamen Beziehung, Arbeitsstelle oder Ausbildungsmöglichkeit oder einer beruflichen Aufstiegschance wegen des Glücksspiels;

10.

Verlass darauf, dass andere Geld zur Verfügung stellen, um eine durch das Glücksspiel hervorgerufene verzweifelte finanzielle Situation zu entspannen.

 

 

Nach Ansicht des Entwicklungspsychologen Rolf Oerter dient das Spielen als Selbstzweck der Funktionslust, zur Realiitätstransformation und im Freudschen Sinne der Wiederholung.

 

Menschen, die häufig Spiel- und Ernstebene in Spielformen nicht gut unterscheiden können, laufen Gefahr, in der Spielrealität, z.B. beim Glücksspiel, die eigentliche Wirklichkeit zu sehen. das Wieder-holungsspiel wird zum Ritual, in dem man sich vorgaukelt, das Spiel zu kontrollieren, um den endgültigen Gewinn einfahren zu können. Das geht aber nicht. Erstens lassen es die Geräte nicht zu, zweitens "ist genug nicht genug".

 

Wer in einer gedrückten Stimmung überraschend viel Geld gewinnt, wird über die Wunscherfüllung verwundert sein, aber fast gleichzeitig fasziniert eine Erklärung suchen, wieso dieses Handeln so erfolg-reich war. Der dabei erlebte positive Stimmungsumschwung wird wie der "Kick" eines Drogensüchtigen wahrgenommen. der überraschende Erfolg löst sich nicht in einem wohligen Gefühl der Entspannung auf. Statt dessen gibt es nur ein kurzes Innehalten in Anspannung und Hektik, mit dem Bedürfnis, diese Spannung weiter - bis zur körperlichen Erschöpfung - auszuagieren.

 

"Identitätsstabilisierend werden solche Spielrituale besonders dann, wenn in der sonstigen Umwelt keine Sicherheit mehr zu finden ist und alle Sozialbeziehungen zerrüttet sind" (Rolf Oerter, 1998).

 

Mit dieser Erfahrung wird das Glücksspiel benutzt, um ein inneres Gleichgewicht herzustellen. Die Über-gänge vom Spielen mit Zweck, schlechte Laune, die ja auch chronisch werden kann, zu überwinden, zum Missbrauch und schließlich zur Sucht sind fließend. Es geht am Ende um die Abhängigkeit des gesamten Wohlbefindens von der Möglichkeit, um Geld spielen zu können. das Glücksspiel wird zum zentralen Lebensinhalt, d.h. der Gestaltung des gesamten Lebens wird der Charakter eines Glücksspiels zugeschrieben. so können Glücksspieler jede Lebenssituation wir ein Glücksspiel inszenieren oder erleben. Viele Glücksspieler haben die Prophezeiung ihrer Eltern "aus dir wir nie etwas" verinnerlicht. Das Glücks-spiel erhält so einen besonderen Sinn, da es bis hin zum sozioökonomischen Ruin diese Prophezeiung zu bestätigen vermag.

 

Ist das Glücksspiel zum zentralen Lebensinhalt geworden, führ es zu einer erheblichen Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit. Liegt diese vor, können Versicherte die Voraussetzung für eine medi-zinische Rehabilitation nach § 10 SGB VI erfüllen. Seit 2001 ist Glücksspielsucht als Krankheit anerkannt.

Copyright © 2017 . Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.